e-con AG und Gemeinde Benningen nehmen Heizwerk und Wärmenetz in Betrieb – Tage des offenen Heizwerks am 14. und 15. März
Die Energie- und Wärmewende in Deutschland hat ein neues Leuchtturmprojekt, und das Unterallgäu und die Stadt Memmingen sind wieder einmal Vorreiterregion. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der e-con AG und ihren Projektpartnern sowie der Gemeinde Benningen nahm Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche am Donnerstag, das neue Heizwerk und Wärmenetz Memmingen-Benningen in Betrieb. Der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wird das Projekt mit zwei Tagen des offenen Heizwerks am Samstag und Sonntag, 14. und 15. März.
Mit einer Endausbau-Leistung von 50 MW setzt das Wärmenetz Memmingen-Benningen neue Maßstäbe für eine klimafreundliche Energieversorgung. Es versorgt künftig Privathaushalte ebenso wie Industrie- und Gewerbebetriebe sowie kommunale Einrichtungen zuverlässig mit regenerativer Wärme. Die in der Energiezentrale erzeugte Wärme deckt den Bedarf von bis zu 3.700 Haushalten – ein Wert, der die Dimension des Projekts anschaulich macht. In der jetzt abgeschlossenen ersten Ausbaustufe liegt die Wärmeerzeugung bei 30.000 MWh pro Jahr. Das Wärmenetz Memmingen-Benningen trägt einen großen Anteil zur Dekarbonisierung bei, denn durch die Nutzung regenerativer Energien können pro Jahr 2,5 Millionen Kubikmeter Erdgas und ca. 6.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Gaben offiziell den Startschuss für das neue Heizwerk Memmingen-Benningen, von links: Markus Schmidt (Beirat GT Hub), Andreas Müller (Geschäftsführer Alois Müller Gruppe), Projektleiter Enrico Lagoda und Vorstand Peter Waizenegger (beide e-con AG), Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche, Benningens Bürgermeister Martin Osterrieder, die Abgeordneten Klaus Holetschek (Landtag) und Forian Dorn (Bundestag) sowie Memmingens Oberbürgermeister Jan Rothenbacher Foto: Ingo Jensen/e-con
Netzausbau
Während das Heizwerk Memmingen nun nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt wurde, steht der Ausbau der Netzinfrastruktur weiterhin im Mittelpunkt der kommenden Jahre. Ziel ist es, das Wärmenetz Schritt für Schritt zu erweitern und die klimafreundliche Wärmeversorgung für immer mehr Haushalte, Unternehmen und kommunale Einrichtungen zugänglich zu machen. In den ersten beiden Bauabschnitten wurden bereits vier Kilometer lange Trassen verlegt. Doch der Ausbau geht weiter: Von März bis Oktober 2026 steht noch der Anschluss der Alpenstraße und der Oberbrühlstraße in Memmingen mit einer Länge von 1,8 Kilometern an. Auch darüber hinaus ist eine kontinuierliche Erweiterung geplant.

e-con-Vorstand Peter Waizenegger erklärte den Gästen das neue Wärmenetz Memmingen-Benningen. Foto: Ingo Jensen/e-con
Über 30 Millionen Euro investiert
Das Projekt Wärmeversorgung Memmingen-Benningen zählt zu den aktuell bedeutendsten regenerativen Energieprojekten im Allgäu und strahlt weit über die Region hinaus. Insgesamt investiert die in Memmingen und Benningen ansässige e-con AG über 30 Millionen Euro in die regenerative Energieversorgung, von der nicht nur viele Privathaushalte in der Gemeinde Benningen, sondern auch eine ganze Reihe an Industrie- und Gewerbekunden sowie kommunale Einrichtungen wie die Edith-Stein-Schule in Memmingen profitieren.

Groß war der Medienandrang beim ersten offiziellen Besuch von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche im Allgäu, anlässlich der offiziellen Eröffnung des Heizwerks Memmingen-Benningen. Foto: Ingo Jensen/e-con
Ein Musterbeispiel für die Wärmewende
„Das Fernwärmenetz und das Heizwerk Memmingen-Benningen stehen prototypisch dafür, wie in Deutschland die Wärmewende gelingen kann. Sie sind ein Musterbeispiel dafür, wie technologieoffene Fernwärmenetze mit durchdachten Konzepten regional wirtschaftlich umgesetzt werden können. Dazu möchte ich allen Beteiligten sehr herzlich gratulieren“, so die Bundeswirtschafts- und Energieministerin bei ihrer Ansprache.
Auch daran zeigt sich die Vorreiterrolle: Bei der Wärmeversorgung Memmingen-Benningen handelt es sich um eines der ersten Projekte überhaupt mit Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) in Deutschland – mit einer Fördersumme von insgesamt 11,2 Millionen Euro.

Blick in die Feuerkammer des Hackschnitzelkessels Foto: Ingo Jensen/e-con
Herzstück ist das Heizwerk
Herzstück des Wärmenetzes ist das Heizwerk in der Memminger Str. 44 in Benningen. Als zentrale Einheit für die Energieversorgung dient dort ein 13 Meter hoher Hackschnitzelkessel mit einer Leistung von 5.000 kW. Weitere 1.500 kW kommen künftig von einer Großwärmepumpe, weitere 1.000 kW über eine so genannte Power-to-Heat-Anlage im Segment der Kraft-Wärme-Kopplung. Ein Elektrokessel wandelt dabei Strom in nutzbare Wärme um. Der dafür benötigte Strom wird regenerativ erzeugt, er kommt direkt vom großen Solarpark am Flughafen Memmingen. Dieser hat aktuell eine Leistung von ca. 25 MW, soll künftig erweitert werden und Batteriespeicher erhalten. Im Zuge des weiteren Ausbaus der Wärmeerzeugung im Heizwerk ist die Installation von weiteren Großwärmepumpen vorgesehen.

Der Kran im Hackschnitzellager in Aktion. Foto: Ingo Jensen/e-con
Spezialisten aus der Region
„Alle Beteiligten haben in den vergangenen zwei Jahren wirklich Herausragendes geleistet. Gemeinsam können wir stolz darauf sein, was wir erreicht haben. Mein Dank gilt nicht nur unserem gesamten Team von der e-con AG und der Alois Müller GmbH, sondern auch unseren tollen regionalen Partnern, auf die in jeder Sekunde Verlass war. Für den Bau der Heizzentrale sind das die Spezialisten der Unglehrt GmbH & Co. KG und das Architekten- und Planerteam von Mokrani Systembau und für den Tiefbau die Firmen Max Wild, Josef Hebel und Kutter“, erklärt Andreas Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Alois Müller Gruppe und Mitinitiator des Projekts.

Blick in den Pumpenraum des Heizwerks. Foto: Ingo Jensen/e-con
Größtes Infrastrukturprojekt für Benningen
Nicht nur für die e-con AG ist die Eröffnung und Inbetriebnahme des Heizwerks und Wärmenetzes ein Meilenstein, sondern auch für die Gemeinde Benningen. Das Benninger Wärmenetz befindet sich seit Beginn zu 100 Prozent in kommunaler Trägerschaft und wird von der Gemeinde Benningen als eigenständige Systemlösung betrieben. Im Rahmen der Gesamtlösung ist es an das Heizwerk angebunden und bildet damit die Grundlage für eine nachhaltige, lokale Wärmeversorgung.
„Die regenerative Wärmeversorgung von Benningen ist eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte für die Gemeinde in den vergangenen Jahren. Umso wichtiger war es, dass wir mit e-con einen absoluten Profi an unserer Seite für die Umsetzung haben“, sagt Bürgermeister Martin Osterrieder, der sich über den großen Zuspruch in der Bevölkerung freut. Das Wärmenetz der Gemeinde Benningen wurde bereits in der Memminger Straße verlegt und wird schrittweise weiter ausgebaut. Ziel ist es, möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu einer modernen, regionalen und klimafreundlichen Wärmeinfrastruktur zu ermöglichen.

Benningens Bürgermeister Martin Osterrieder und e-con-Vorstand Peter Waizenegger vor dem Hackschnitzelkessel im Heizwerk Memmingen-Benningen. Foto: Ingo Jensen/e-con
Rohde & Schwarz: Weitestgehend weg von Gas
Früh zum Projekt bekannt hat sich die Rohde & Schwarz Messgerätebau GmbH im Gewerbegebiet Süd in Memmingen als Pilotprojektpartner aus der Industrie. „Durch die Umstellung auf Fernwärme werden wir in Memmingen unabhängig vom Energieträger Gas und sparen jährlich bis zu 270 Tonnen CO2 ein. Das ist ein echter Meilenstein bei der Umsetzung unserer Klimastrategie 2030“, sagt Michael Dill, Werkleiter von Rohde & Schwarz in Memmingen.
Auch Magnet-Schultz (MSM) hat sich im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zum klimaneutralen, regionalen Fernwärmeanschluss bekannt und will mit diesem Schritt sogar bis zu 500 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. „Das ist ein weiterer Schritt zu einer sicheren und nachhaltigen Wärmeversorgung für uns“, sagte Geschäftsführer Dr. Albert Schultz bei der Vertragsunterzeichnung.

Andreas Müller, Geschäftsführer der Alois Müller Gruppe, bei seiner Rede im GT Hub anlässlich der offiziellen Eröffnung des Heizwerks Memmingen-Benningen. Foto: Ingo Jensen/e-con
Innovatives Konzept mit 4-Leiter-Wärmenetz
Die An- und Einbindung von Gewerbekunden wie Rohde & Schwarz sowie Magnet-Schultz erfolgt besonders ausgeklügelt. Denn hier hat die e-con AG mit dem Konzept eines 4-Leiter-Wärmenetzes die technische Grundlage für eine innovative und effiziente Nutzung industrieller Abwärme geschaffen.
So funktioniert’s: In einer Leitung wird Wasser mit einer Grundtemperatur von rund 10 Grad Celsius zu den angeschlossenen Unternehmen geführt. Dort wird es – unabhängig vom jeweiligen Temperaturniveau der Prozesse – durch die in der Produktion anfallende industrielle Abwärme erwärmt. Auf diese Weise wird Energie genutzt, die bislang ungenutzt an die Umgebung abgegeben worden wäre. Gleichzeitig profitieren die Unternehmen von einer Reduzierung ihrer Kühllasten und damit von einer höheren Energieeffizienz ihrer Produktionsprozesse.

e-con-Vorstand Peter Waizenegger erklärt Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche die Pumpenstation im neuen Heizwerk Memmingen-Benningen. Foto: Ingo Jensen/e-con
Effiziente Wärmegewinnung
Das erwärmte Wasser fließt über eine zweite Leitung zurück zum Heizwerk Memmingen-Benningen. Dort wird die enthaltene Abwärme mithilfe leistungsstarker Großwärmepumpen auf das für das Fernwärmenetz erforderliche Temperaturniveau angehoben. „Da das Wasser bereits vorerwärmt ist, wird hierfür deutlich weniger Primärenergie benötigt als bei einer Erwärmung ausgehend von der Grundtemperatur des Wassers. Dadurch arbeiten unsere Wärmepumpen besonders effizient“, erklärt Enrico Lagoda, der verantwortliche Projektleiter der e-con AG.

Das Heizwerk Memmingen-Benningen ist das Herzstück des Wärmenetzes. Foto: Ingo Jensen/e-con
Das Heizwerk: kein gewöhnliches Gebäude
Allein der Bau des Heizwerks in Benningen zum Projektstart im Jahr 2024 hatte es in sich. Das traditionsreiche Memminger Bauunternehmen Unglehrt hat das 48 Meter lange und 26 Meter breite Gebäude des Heizwerks aus mehr als 180 Betonfertigteilen erstellt und setzte weitere 850 m3 Beton z.B. für Fundamente, Bodenplatte und Decken ein. Dabei gab es einige knifflige Aufgaben zu lösen. Der hohe Grundwasserstand am Standort, der Memminger Straße 44 in Benningen, führte dazu, dass die Baugrube des Kellers während des Baus mit bis zu 14 Meter hohen Spundwänden abgesichert und abgedichtet werden musste.
Auch der Ausbau des Wärmenetzes stellte hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Aufgrund der geologischen Gegebenheiten war eine umfangreiche Wasserhaltung erforderlich, um die Leitungsarbeiten fachgerecht durchführen zu können. Trotz dieser anspruchsvollen Rahmenbedingungen konnte der Netzausbau in hoher Qualität umgesetzt werden – eine technisch wie handwerklich anspruchsvolle Leistung, die die Grundlage für eine langfristig zuverlässige Wärmeversorgung bildet.

Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina Reiche lobte die Vorbildfunktion bei ihrer Rede im GT Hub anlässlich der offiziellen Eröffnung des Heizwerks Memmingen-Benningen. Foto: Ingo Jensen/e-con
Projekt mit Vorbildfunktion
Für Andreas Müller und e-con-Vorstand Peter Waizenegger hat das jetzt erfolgreich umgesetzte Projekt enorme Strahlkraft. „Mit der regenerativen Wärmeversorgung Memmingen-Benningen zeigen wir eindrucksvoll, was Städte und Gemeinden im Rahmen ihrer kommunalen Wärmeplanung mit Hilfe erneuerbarer Energien erreichen können. Wenn wir unsere beiden Fernwärmenetze Nord und Süd zusammennehmen, erreichen wir eine jährliche Wärmemenge von bis zu 200.000 MWh. Das entspricht damit bereits jetzt dem Zielszenario, das die Stadt Memmingen in ihrer Kommunalen Wärmeplanung für das Jahr 2040 ermittelt hat“, sagt Peter Waizenegger.

Groß war das Interesse an den Führungen bei der offiziellen Eröffnung des Heizwerks Memmingen-Benningen. Am 14. und 15. März finden die Tage des offenen Heizwerks statt. Foto: Ingo Jensen/e-con
Tage des offenen Heizwerks am 14. und 15. März
Zur Eröffnung sind alle Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen, das neue Heizwerk Memmingen-Benningen persönlich kennenzulernen: Am 14. und 15. März öffnet die Anlage jeweils von 11 bis 16 Uhr ihre Türen. An beiden Veranstaltungstagen erwartet die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit geführten Rundgängen durch das Heizwerk, Fachvorträgen zur klimafreundlichen Wärmeversorgung, Food Trucks sowie einem Familienprogramm. Der Eintritt ist frei.
Infos zum Heizwerk und Fernwärmenetz Memmingen-Benningen:
Planung: Seit Juni 2022
Baubeginn Netz: Juni 2023
Baubeginn Heizwerk: April 2024, Spatenstich: Juni 2024
Inbetriebnahme Heizwerk: März 2026
Errichtung Heizwerk: Gewerbegebiet Benningen
Leistung Hackschnitzelkessel: 5.000 kW
Hochtemperatur-Wärmepumpen, 1. Ausbaustufe: ca. 1.500 kW
Pufferspeicher Heizung: 280.000 Liter
Pufferspeicher Kälte: 120.000 Liter
Länge Netz Haupttrasse: 5,8 km in drei Bauabschnitten
Aktuell sind bereits 4,0 km umgesetzt, im dritten Bauabschnitt folgt die Anbindung der Alpenstraße und Oberbrühlstrasse Memmingen
Wasserinhalt Netz: 700.000 Liter
Autor: Ingo Jensen